Was hilft wirklich gegen Schnecken?

Ich bewirtschafte seit 20 Jahren einen kleinen Garten inmitten fetter und feuchter Wiesen. Es ist ein endloser Kampf gegen Heerscharen von Nacktschnecken, die von außen in den Garten einfallen und alles verschlingen, was sich ihnen in den Weg stellt. Ich habe anfangs etliche bittere Erfahrungen gemacht, mit jungen Stauden und Gemüsepflanzen, die über Nacht vernichtet wurden. Über die Jahre bin ich zu einem Profi in Sachen Schneckenabwehr und Schneckenbekämpfung geworden.
Was mich besonders ärgert, sind die vermeintlichen Tipps gegen Schnecken, die seit Jahren durch die Medien geistern, in der Praxis aber überhaupt nichts bewirken. Dazu schreibe ich weiter unten mehr, zunächst möchte ich mich aber dem „Feind“ – der spanischen Wegschnecke – und den wirklich wirksamen Maßnahmen gegen Schnecken widmen.

Die spanische Wegschnecke – der Feind in meinem Beet

Schnecke ist nicht gleich Schnecke. Die Häuschen- und Weinbergschnecken im Garten machen in der Regel gar keine Probleme. Sie ernähren sich vorwiegend von Wildpflanzen und verschonen die Kulturpflanzen. Der „Feind“ in meinem Beet, das ist die spanische Wegschnecke, eine große rötlich-braune Nacktschnecke, die in der 70er Jahren erstmals in Deutschland auftauchte und sich seither durch unsere Gärten frisst.
Die spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) gehört zur Gattung der Lungenschnecken. Sie wird maximal l2 bis 18 cm lang und zeigt eine variable Färbung, die von schmutzig braun über orange bis rotbraun changiert.
Bei feucht-warmem Wetter kann sich die spanische Wegschnecke explosionsartig ausbreiten. Sie stellt mittlerweile die häufigste Nacktschneckenart in Deutschland. Kein Wunder, schließlich legt jedes Tier zwischen 200 und 400 Eier jährlich. Nacktschnecken sind praktischerweise Zwitter, so kann jedes Exemplar für reichlich Nachwuchs sorgen. Wer dachte, er könnte die Nacktschnecken-Plage durch Absammeln der Tiere eindämmen, sollte das angesichts dieser Zahlen ganz schnell vergessen – es ist aussichtslos.
Die Jungtiere schlüpfen entweder im zeitigen Frühjahr oder im Herbst, bis in den Spätsommer erreichen sie dann ihre volle Größe. Studien unter Laborbedingungen haben ergeben, dass die Nacktschnecke gut zwei Drittel des Tages in ihrem Versteck verbringt. Im Freiland zieht sie sich beispielsweise in Erdlöcher zurück oder verkriecht sich unter Bretter, Laub oder Steine. Vor allem nachts kommt sie aus ihrem Versteck und fällt über die Kulturpflanzen her.

Nacktschnecken sind Gourmets & Allesfresser

Nacktschnecken fressen vorzugsweise Kulturpflanzen, neben Salat lieben sie vor allem Gurken, Zucchini, Kürbisse, Kohl, Bohnen, Erbsen, Rittersporn, Lupinen, Tagetes uvm. Unkräuter mögen sie leider gar nicht, diese Wildpflanzen enthalten im Gegensatz zu unseren hochgezüchteten Kulturpflanzen natürliche Abwehrstoffe gegen Schädlinge. Notfalls ist die Nacktschnecke aber nicht zimperlich in der Wahl ihrer Nahrung, wenn die leckeren Sachen bereits vertilgt sind, frisst sie nahezu alles um zu überleben.

Natürliche Feinde der Nacktschnecke? Fehlanzeige!

Einer der häufigsten Tipps gegen Schnecken im Garten ist die Ansiedlung von Nützlingen. Glaubt man den Gartenzeitschriften, muss man nur ein paar Igel und Kröten in den heimischen Garten „einladen“ und schon löst sich das Schneckenproblem von selbst. Das ist ein modernes Gartenmärchen, ein Mythos, der mit der Realität nichts zu tun hat. Ich habe einen naturnahen Garten, mit kleinem Teich und etlichen Rückzugsräumen für Igel, Kröte und Co. Die fühlen sich bei mir auch pudelwohl. Es gibt nur ein Problem: Sie mögen keine Nacktschnecken! Der Schneckenschleim enthält Bitterstoffe zur Abwehr von Fraßfeinden und das mögen die Nützlinge nicht. Meine Igel ziehen sich lieber ein paar Regenwürmer aus dem Kompost und meine Kröten fangen lieber ein paar Fliegen, als einen bitteren, schleimigen Klumpen zu verspeisen. Es ist wissenschaftlich bewiesen, Kröte und Igel machen sich nichts aus Nacktschnecken, jeder Garten hält für sie bessere Nahrung bereit.
Die spanische Wegschnecke hat fast keine natürlichen Fressfeinde, eine Ausnahme bildet der gemeine Grabkäfer, alle Versuche ihn zu fördern und gezielt zu Schneckenbekämpfung einzusetzen sind aber in Versuchsreihen gescheitert.
Als einziger zuverlässiger natürlicher Schneckenvernichter hat sich die Indische Laufente erwiesen. Sie ist in der Lage einen Garten schneckenfrei zu halten. Ob man sich zur Schneckenabwehr ein paar Enten halten möchte, ist allerdings eine andere Frage. Es würde zumindest funktionieren.

Was hilft wirklich gegen Schnecken im Garten? Drei praxisbewährte Tipps gegen Nacktschnecken

1. Die Bierfalle

Die Bierfalle ist so etwas wie der Klassiker unter den Schneckenfallen. Ein einfaches Gefäß mit Bier zieht Schnecken geradezu magisch an. Sie kriechen in das Gefäß, berauschen sich am Bier und ertrinken darin. Die Bierfalle ist eine echte Massenvernichtungswaffe im Kampf gegen Schnecken. In einer regnerischen Nacht ertrinken in meinem Garten schon mal 50-100 Schnecken in einer Falle. Mit der Bierfalle kann man den gesamten Schneckenbestand sehr effektiv dezimieren, es ist allerdings nicht möglich, damit eine einzelne Pflanze sicher vor Schnecken zu schützen. Ein Nachteil der Bierfalle ist ihre starke Anziehungskraft auf alle Schnecken der Umgebung. Wer einen Garten am Waldrand oder inmitten feuchter Wiesen hat, lockt sich die Schädlinge der Umgebung an. Wenn von außen kein starker Zuzug von Schnecken zu erwarten ist, kann man mit der Bierfalle sehr gute Ergebnisse erzielen. Tipp: Kauft euch Bierfallen mit Überdachung, sie schützen die Falle vor der Verwässerung in regenreichen Nächten. Bei starkem Regen, wenn besonders viele Schnecken durch den Garten kriechen, verdünnt sich das Bier sonst zu stark und verfehlt seine Wirkung. Günstige Bierfallen gibt es hier.

2. Der Schneckenzaun

Der Schneckenzaun ist das Mittel der Wahl für alle Gärtner, die eine dauerhafte und endgültige Lösung für das Schneckenproblem suchen. Er stellt ein unüberwindliches Hindernis für die Schädlinge dar und ist ideal um große Beetflächen zu schützen. Den Schneckenzaun gibt es in verschiedenen Varianten. Am bekanntesten ist die Stahlblechkonstruktion mit den gebogenen Außenkanten. Die Schnecke kann die Kante nicht überwinden, beim Versuch fällt sie jedes Mal zu Boden. Dieses Modell wird einfach als Beeteinfassung in den Boden gesteckt und bietet sofort effektiven Schutz. Alle Schnecken, die sich zu Beginn noch innerhalb des Beetes befinden, kann man durch eine Bierfalle ausrotten.
Schneckenzäune aus Kunststoff funktionieren nach dem gleichen Prinzip, sind aber etwas günstiger als Modelle aus feuerverzinktem Stahl. Darüber hinaus gibt es noch Zäune die aufkriechende Schnecken durch Strom oder Salz abwehren. Nach meiner Einschätzung sind diese Varianten nicht so sicher wie das klassische Modell mit der gebogenen Kante.

Wenn es nur darum geht einzelne Pflanzen vor Schneckenfraß zu schützen, sind Schnecken-Schutzringe die richtige Wahl. Man muss sie nur über die besonders empfindlichen Jungpflanzen stülpen und in die Erde drücken. Wenn die Pflanzen älter, und damit weniger interessant für Schnecken sind, kann man sie ganz leicht wieder entfernen. Der robuste Kunststoff hält viele Jahre, ich habe mit den Schutzringen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Hier nochmal eine Übersicht über empfehlenswerte Schneckenzäune und Schutzringe:

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3. Schneckenkorn

Der Gifteinsatz im eigenen Garten ist für viele Gärtner ein absolutes NoGo. Wenn man allerdings über Jahre hinweg viel Mühe, Zeit und Geld in schöne Pflanzen investiert hat und immer wieder alles von Schnecken vernichtet wurde, dann ist man gerne bereit die Brut mit Gift auszulöschen.Modernes Schneckenkorn ist allerdings bei weitem nicht mehr so schädlich wie die Produkte von vor 20 oder 30 Jahren. Der verantwortungsvolle Einsatz ist wirklich vertretbar.
Das Ferramol Schneckenkorn von Neudorff hat 2009 sogar das Prädikat „Sehr gut“ von der Zeitschrift „Öko Test“ erhalten. Das Produkt enthält Eisen-III-Phosphat, einen Wirkstoff, der auch in der freien Natur vorkommt. Ferramol Schneckenkorn ist ungiftig für Igel, Regenwürmer, Bienen und Haustiere, es wird von den Bodenorganismen zu Eisen und Phosphat abgebaut. Nach der Anwendung muss man keine Frist bis zum Verzehr der Ernte einhalten.

Eisen-III-Phosphat wirkt im Körper der Schnecke auf die Zellen des Darms und führt zu einem schnellen Fraßstop . Die Tiere schleimen nicht aus, sondern ziehen sich in ihre Verstecke zurück, wo sie nach ein paar Tagen verenden. Der Köder ist regenfest und besitzt eine starke Lockwirkung. Für biologisch orientiere Gärtner ist das Ferramol Schneckenkorn von Neudorff eine sehr gute Wahl.

Ich persönlich bevorzuge Dehner Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Metaldehyd. Nach meiner Erfahrung wirkt es noch etwas besser als das „Bio-Schneckenkorn“ von Neudorff. Metaldehyd entzieht den Schnecken die lebensnotwendige Feuchtigkeit, sie schleimen aus und bleiben als vertrocknete Leichen auf den Beeten liegen.

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