Ein Insektenhotel für Bienen und Hummeln – So wird es ein Erfolg!

Wildbienen und Hummeln habe große Probleme in unserer modernen Kulturlandschaft geeignete Nistmöglichkeiten zu finden. Sie benötigen Totholz, trockene Natursteinmauern oder hohle Pflanzenstengel um ihren Nachwuchs aufzuziehen Der entsprechende „Wohnraum“ wird immer knapper, weite Teile der Landschaft bestehen aus sterilen Weide- und Ackerflächen, die wilden Hummeln und Bienen keinen Unterschlupf mehr bieten. Wer den liebenswerten Brummern ein Zuhause bieten möchte, kann im eigenen Garten ein Insektenhotel aufstellen. Dabei handelt es sich um eine dekorative Nisthilfe aus verschiedenen Naturmaterialien. Vor einigen Jahren war das Insektenhotel noch ein echter Geheimtipp unter naturnahen Gartenfreunden, mittlerweile liegt es voll im Trend und wird von vielen Gartenzeitungen beworben. Ich habe bereits seit vielen Jahren ein Insektenhotel in meinem Garten stehen und weiß mittlerweile worauf die Bienen und Hummeln abfahren und was sie weniger mögen. Nachfolgende möchte ich euch meine Erfahrungen schildern und einige praxisbewährte Tipps für den Bau und die „Innenausstattung“ von Insektenhotels geben.

Was ist ein Insektenhotel?

Für alle die noch nicht wissen, wie ein Insektenhotel aussieht, habe ich hier den Bestseller von Amazon verlinkt. Im Grunde handelt es sich um einen mehr oder weniger dekorativ gestalteten und mit Nistmaterial gefüllten Holzkasten. Insektenhotels gibt es in verschiedenen Größen und Ausführungen, die Palette reicht vom kleinen „Brutholz“ zum Aufhängen bis zum großen „Hotelkomplex“ mit tausenden Betten 🙂

Geeignetes Nistmaterial für das Insektenhotel

Nach meiner Erfahrung werden nur zwei Nistmaterialien von den Wildbienen und Wildhummeln richtig gut angenommen: Hohle Pflanzenstengel und mit Bohrlöchern versehene Hartholzstücke.
Besonders geeignet sind die hohlen oder markhaltigen Stengel von Schilf, Distel, Königskerze, Brombeere, Weberkarde und Holunder. Eventuell vorhandenes Mark kann man ganz leicht mit einem passenden Bohrer entfernen. Wer es eilig hat, kann einfach im nächsten Baumarkt Bambusstäbe (dünne und dicke!) kaufen und in passende Stücke schneiden.
Wichtig: Einige Pflanzenstengel haben alle paar Zentimeter einen Knoten, an diesen Stellen sind sie nicht hohl sondern verschlossen. Man sollte die Stengel immer so zurechtschneiden, das von der Öffnung bis zum abschließenden Knoten mindestens 8 Zentimeter Hohlraum liegen, so viel Platz brauchen die Insekten zum Brüten. Grundsätzlich darf ein hohler Stengel nur eine Öffnung haben, zur Not kann man das andere Ende mit Lehm oder Heißkleber verschließen.
Wildhummeln bevorzugen nach meiner Erfahrungen Brutlöcher in Hartholzstücken. Passende vierkantige Holzstücke findet man manchmal im Abfall von Baustellen, man kann sie aber auch im Baumarkt kaufen. Nach meiner Erfahrung muss es nicht unbedingt Hartholz sein, das wird zwar vom NaBu empfohlen, einfaches harzfreies Nadelholz (bspw. Fichte) haben „meine“ Bienen und Hummeln aber auch sehr gut angenommen.
Die Holzstücke einfach passend zum Insektenhotel zurechtschneiden, sie sollten eine Mindesttiefe von 10 Zentimetern aufweisen. Die Brutlöcher werden mit der Bohrmaschine hineingebohrt, je nach Art bevorzugen die Bienen und Hummeln Löcher mit einer Breite von 3 mm bis 8 mm Durchmesser und einer Tiefe von ca. 8 cm. Bei schmalen Löchern reicht auch eine geringere Tiefe, hier gibt der Bohrer sowieso nur eine begrenzte Länge her.

Worauf ist zu achten, damit Insekten das Insektenhotel auch annehmen?

Bienen und Hummeln sind wählerisch wenn es um einen geeigneten Nistplatz geht. Sie mögen beispielsweise kein rissiges Holz, weil Parasiten durch die Risse in die Brutlöcher eindringen können. Ausgefranste Bohrlöcher sind auch nur zweite Wahl, weil sie die Flügel beim Einflug beschädigen können. Bohrlöcher voller Sägespäne sind so ähnlich wie „Müll vom Vormieter“ und werden nur bei akuter Wohnungsnot angenommen.
Deshalb sollte man kein rissiges Holz benutzen und beim Bohren der Löcher auf saubere Kanten achten. Nach dem Bohren die Sägespäne sorgfältig ausklopfen und mit dem Staubsauger die letzten Rest aussaugen. Anschließend die Einfluglöcher mit Schleifpapier glätten, hierfür kann man das Schleifpapier kegelförmig falten in die Löcher stecken und hin und her drehen.

Vielfältige Nistgelegenheiten bereistellen

Bienen und Hummeln leben gerne in Gesellschaft und haben keine Probleme Tür an Tür mit ihren Artgenossen zu wohnen. Deshalb ist es völlig in Ordnung die Bohrlöcher dicht an dicht zu setzen, zwischen den einzelnen Bruthöhlen müssen nur ein paar Millimeter Abstand liegen. Nach meiner Erfahrung wissen die Gäste später ganz genau welches „Zimmer“ wem gehört, Streitereien habe ich noch nie gesehen. Wildbienen und Wildhummeln sind überhaupt sehr friedliche Zeitgenossen. Das gilt übrigens auch für die kleinen Schlupfwespen, die im Gegensatz zu ihren größeren Artgenossen kein Interesse an Menschen und deren Nahrungsmitteln zeigen.
Es gibt viele Arten von Bienen, Hummeln und Schlupfwespen, sie alle haben unterschiedliche Ansprüche an ihre Bruthöhlen, deshalb solltet ihr ein großes Angebot bereitstellen und Löcher in ganz unterschiedlichen Größen bohren. Von drei bis acht Millimetern sollte alles dabei sein.

Hier zwei Bilder von einem Holzelement aus meinem Insektenhotel. Eigentlich könnte es als fertiges Brutholz für sich allein stehen, innerhalb eines kleinen Häuschens mit anderen Elementen wirkt es bloß etwas dekorativer.

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Welcher Standort ist der richtige für das Insektenhotel?

Ein sonniges, trockenes und windgeschütztes Plätzchen ist für das Insektenhotel ideal. Ich kann hier nur aus eigener Erfahrung sprechen, ich habe mein Insektenhotel mit den Öffnungen nach Südosten ausgerichtet und es wurde von den Hummeln und Bienen sehr gut angenommen. Sobald die ersten Bewohner eingezogen sind, sollte man den Standort natürlich nicht mehr verändern.

Nektarpflanzen und Baumaterial für Bienen und Hummeln

Schon kurz nach dem Einzug beginnen die Bienen und Hummeln mit der Brut. Sie legen ein Ei und deponieren jede Menge Nektar in der Bruthöhle. In dieser Phase pendeln sie ständig zwischen den Nektarpflanzen und dem Insektenhotel um einen möglichst großen Nahrungsvorrat für die schlüpfende Larve anzulegen. Dabei kann man die putzigen Brummer aus nächster Nähe beobachten, ein wirklich faszinierendes Naturschauspiel! Zum Abschluss des Nestbaus verschließen die Insekten die Öffnung mit einem selbstgefertigten Propfen aus lehmiger Erde. Im geschützten Inneren der Bruthöhle schlüpft dann die Larve und ernährt sich von den Nektarvorräten.
Merke: Bienen und Hummeln brauchen mehr als nur eine Nisthilfe, sie benötigen auch Nektarpflanzen und eine Stelle, an der sie feuchte Erde aufnehmen können. Beides sollte man ihnen zur Verfügung stellen!
Zu den geeigneten Bienen- und Hummelfutterpflanzen zählen bspw. Weiden, Borretsch, Phacelia, Sonnenauge, Lupinen, Fingerhut, Kornblumen, Ringelblumen, Disteln uvm.

Wann schlüpft der Nachwuchs im Insektenhotel?

Nachdem Verschluss der Bruthöhle können einige Wochen vergehen, bis der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt. Bei einigen Arten dauert es sogar bis zum nächsten Frühjahr, bis das Jungtier von Innen die Höhle öffnet und davonfliegt. Häufig findet man nur die Reste des Erdpfropfen und bekommt die Tiere nicht mehr zu Gesicht. Manchen Bruthöhlen gehen auch nie mehr auf, in den Fällen ist die Larve durch Krankheiten verendet.

Was ist von fertigen Insektenhotels aus dem Fachhandel zu halten?

Fertige Insektenhotels wie auf dem Bild links erfüllen durchaus ihre Zwecke und werden von den Bienen und Hummeln gerne angenommen. Allerdings bieten sie nur wenige Bruthöhlen und bestimmte Nistmaterialien, wie Tannenzapfen und Rindenstücke, dienen meines Erachtens nur als billiges Füllmaterial. Sie sollen Florfliegen und Marienkäfer anlocken, die aber gar keine Probleme haben in der freien Natur einen Unterschlupf zu finden. Ich habe mir zu Anfang so ein fertiges Insektenhotel gekauft und nachdem die Löcher in den Hölzern und hohlen Stengeln ganz schnell belegt waren, einfach die Zapfen und Rindenstücke entfernt (waren unbewohnt) um Platz für weitere, selbst vorgebohrte Holzstücke zu schaffen. Als Basis ist so ein fertiges Insektenhotel auf jeden Fall in Ordnung, je nach Standort, wird man aber unter Umständen schon bald weitere Zimmer für die Hotelgäste benötigen.

6 Antworten auf Ein Insektenhotel für Bienen und Hummeln – So wird es ein Erfolg!

  • Sabine sagt:

    Hallihallo, ich hab schon ein insektenhotel, welches z. T. schon bewohnt ist. Aber einige Löcher sind arg ausgefranst. Wann bzw. zu welche Jahreszeit kann ich mal mit Schmirgelpapier ran, um die Eingänge glatt zu machen? Vielen Dank für einen Rat. Grüssle sabine

    • admin sagt:

      Hallo Sabine, sofern die ausgefransten Löcher nicht noch vom letzten Jahr bewohnt sind, wäre jetzt noch ein guter Zeitpunkt um die Eingänge glatt zu schleifen. Die Insekten haben ja gerade erst begonnen sich neue Nistplätze zu suchen. Wenn du das jetzt erledigst, wirst du kaum jemanden stören.

  • Jutta Fennel sagt:

    Ein sehr interessander Beitrag. Wir haben seit diesem Jahr auch ein Insektenhotel und es sind auch fast alle Löcher zu. Wie ist das jetzt im nächsten Jahr? Kann man die benutzten Bruthöhlen säubern und wieder benutzen oder muss man sie erneuern?

    • admin sagt:

      Hallo Jutta, ich habe die Erfahrung gemacht, dass bereits einmal benutzte Bruthöhlen trotz Säuberung nicht so gut angenommen werden, wie neue. Ich würde deshalb dazu raten jedes Jahr neue Bruthöhlen anzubieten.

  • karin sagt:

    In unserem Insektenhotel werden die Strohröhren durch ein von uns nocht nicht gesehenes Tier (Vogel??) herausgezogen und bleiben beschädigt auf dem Fußboden liegen. Wir haben die bisher herausgezogenen und noch nicht belegten Röhren wieder eingefügt. Wer könnte die Röhren herausgezogen haben und sollte man etwas dagegen unternehmen.
    Karin

    • admin sagt:

      Hallo Karin, sehr wahrscheinlich waren da Vögel am Werk. Du kannst dein Insektenhotel vor diebischen Vögeln schützen, in dem Du etwas Hasendraht vor die Öffnung tackerst. Der Draht muss natürlich etwas Abstand zu den Nistmaterialien haben, damit die Vögel mit dem Schnabel nicht durch die Maschen greifen können. Die Insekten können durch die Maschen fliegen, das ist kein Problem.

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